Wiese


Wiese

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Wie|se ['vi:zə], die; -, -n:
mit Gras bewachsene, wenig oder nicht bearbeitete Fläche:
Kühe weideten auf der Wiese; wir machten ein Picknick auf einer schönen blühenden Wiese; wir müssen die Wiese mähen, um Heu zu machen.
Syn.: Alm, Rasen, 2 Weide.
Zus.: Bergwiese, Liegewiese, Spielwiese, Waldwiese.

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Wie|se 〈f. 19Grasland, das regelmäßig geschnitten wird [<mhd. wise <ahd. wisa „Wiese, Weide“ <anord. veisa „Schlamm“]

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Wie|se , die; -, -n [mhd. wise, ahd. wisa, H. u.]:
[zur Heugewinnung genutzte] mit Gras bewachsene größere Fläche:
eine grüne, saftige, blühende W.;
-n und Wälder;
die W. ist feucht, nass;
eine W. mähen;
auf einer W. liegen, spielen;
[jmdm.] eine gemähte W. sein (ugs.: [für jmdn.] ein mühelos erreichbares Ziel, schon fast erledigt sein);
auf der grünen W. (in nicht bebautem Gelände, außerhalb der Stadt: ein Supermarkt auf der grünen W.)

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I
Wiese,
 
gehölzfreie oder gehölzarme, v. a. aus Süßgräsern und Stauden, seltener aus Riedgräsern gebildete Pflanzenformation. Natürliche Wiesen sind an bestimmte Standorte gebunden, z. B. in Gebirgen jenseits der Baumgrenze (Matten), in Überschwemmungsgebieten von Flüssen, als Salzwiesen im Gezeitenbereich flacher Küsten und als Trockenrasen an besonders warmen, trockenen Standorten in der gemäßigten Zone. Die landwirtschaftlichen Nutzwiesen sind dagegen meist künstlich angelegt (durch Aussaat bestimmter Futtergräser und Kleearten). Sie werden im Gegensatz zur Viehweide (Weide) regelmäßig gemäht und dienen der Grünfutter- und Heugewinnung; bei mit Riedgräsern bestandenen Wiesen erfolgte früher die Einstreugewinnung (Streuwiese). Man unterscheidet ferner Fettwiesen (mehrmalige Mahd pro Jahr, hoher Futter- und Heuertrag; auf nährstoffreichen Böden mit hohem Grundwasserstand) und Magerwiesen (eine Mahd pro Jahr, geringer Futter- und Heuertrag; trockene, nährstoffarme Böden). Reine Mähwiesen, bei denen die Schnittfrequenz auf drei oder mehr meist maschinell durchgeführte Schnitte im Jahr gebracht wird, gelten als die intensivste Form der Grünlandnutzung. Sie ermöglichen die ganzjährige Stallfütterung der Tiere mit selbst erzeugtem Grünfutter auch für diejenigen Betriebe, die keine eigenen Weideflächen haben. Das bei der Mahd gewonnene Grasheu oder Kleegras kann unter Beigabe von Zusätzen durch Silage zu ganzjährig verfügbarem, haltbarem Futter verarbeitet werden. In Verbindung mit industriell hergestelltem oder importiertem Futter bilden die Mähwiesen deshalb häufig die Grundlage der Massentierhaltung von Mast- und Zuchtrindern und -schweinen, aber auch von Milchkühen.
 
 
Hubert Schmidt: Die W. als Ökosystem (31988);
 H. Zucchi: W. Plädoyer für einen bedrohten Lebensraum (1988);
 W.-D. u. U. Unterweger: Die letzten Bauernwiesen (1989).
 
II
Wiese
 
die, rechter Nebenfluss des Oberrheins, Baden-Württemberg, 82 km lang, entspringt am Feldberg im Schwarzwald, mündet im nördlichen Stadtbereich von Basel.
 
III
Wiese,
 
1) Benno von, eigentlich B. von Wiese und Kaiserswạldau, Literaturwissenschaftler, * Frankfurt am Main 25. 9. 1903, ✝ München 31. 1. 1987, Sohn von 2); wurde 1932 Professor in Erlangen, 1943 in Münster, ab 1956 in Bonn; trat für eine werkimmanente Interpretation des dichterischen Kunstwerks (»Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel«, 2 Bände, 1948) und für eine Verknüpfung von geistes- und sozialgeschichtlicher Methodik bei Analyse und Deutung literarischer Werke ein; verfasste bedeutende literaturwissenschaftliche Studien (»Friedrich Schlegel«, 1927; »Eduard Mörike«, 1950; »Friedrich Schiller«, 1959; »Karl Immermann«, 1969; »Signaturen. Zu Heinrich Heine und seinem Werk«, 1976). Bekanntheit erlangte er v. a. durch Herausgabe von Interpretationssammlungen (u. a. »Die deutsche Lyrik«, 2 Bände, 1956; »Der deutsche Roman vom Barock bis zur Gegenwart«, 2 Bände, 1963) und Anthologien (»Deutschland erzählt«, 4 Bände, 1962-75), als Mitherausgeber der Schiller-Nationalausgabe sowie der »Zeitschrift für deutsche Philologie«.
 
 
H. Steinecke: B. v. W. zum Gedenken, in: Ztschr. für dt. Philologie, Jg. 106 (1987).
 
 2) Leopold von, eigentlich L. von Wiese und Kaiserswạldau, Soziologe, * Glatz 2. 12. 1876, ✝ Köln 11. 1. 1969, Vater von 1); studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin, war ab 1919 Professor für Soziologie in Köln. Sowohl als Mitbegründer und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (1946 unter seiner Leitung rekonstituiert) und Herausgeber verschiedener Zeitschriften, u. a. der Kölner Zeitschrift für Soziologie, als auch durch seine eigenen Werke trug Wiese zur Etablierung einer eigenständigen Soziologie in Deutschland bei und fand internationale Anerkennung. Wiese suchte die zeitgenössische Soziologie aus ihrer Bindung an Psychologie, Nationalökonomie, Philosophie oder Geschichtswissenschaft zu lösen und ihr ein eigenständiges Feld der wissenschaftlichen Betätigung zuzuweisen, das er in der analytischen Beschreibung der sozialen Beziehungen zwischen Menschen (»soziale Prozesse«) und der hierfür bedeutsamen Bedingungen und Objektivierungen (»soziale Gebilde«) zu finden glaubte. In Anlehnung an G. Simmels Formen der Vergesellschaftung entwickelte Wiese ein Kategorienschema (mit den Hauptkategorien »sozialer Abstand«, »sozialer Prozess«, »sozialer Raum« und »soziale Gebilde«) und sah das Arbeitsgebiet einer »formalen Soziologie« in der funktionsorientierten Beschreibung und formalen Klassifikation sozialer Beziehungen (z. B. nach der Zahl beteiligter Akteure), wobei subjektive Faktoren ebenso ausgeschlossen sein sollten wie historische Ableitungen oder kausale Erklärungen. Wieses Klassifikationen regten eine Reihe von Spezialuntersuchungen an und wirkten auf die Ausbildung spezieller Soziologien, z. B. der Gruppensoziologie (Gruppe).
 
Werke: Zur Grundlegung der Gesellschaftslehre (1906); Allgemeine Soziologie als Lehre von den Beziehungsbedingungen der Menschen, 2 Bände (1924-29, 21933 unter dem Titel System der allgemeinen Soziologie als Lehre von den sozialen Prozessen und den sozialen Gebilden der Menschen); Soziologie. Geschichte und Hauptprobleme (1926); Gesellschaftliche Stände und Klassen (1950); Der Mitmensch und der Gegenmensch im sozialen Leben der nächsten Zukunft (1967).

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Wie|se, die; -, -n [mhd. wise, ahd. wisa, H. u.]: [zur Heugewinnung genutzte] mit Gras bewachsene größere Fläche: eine grüne, saftige, blühende W.; -n und Wälder; die W. ist feucht, nass; eine W. mähen; auf einer W. liegen, spielen; Ich hatte gesehen, wie ein Lämmchen ... geboren wurde und ein Fohlen mitten auf der W. (Kinski, Erdbeermund 260); *auf der grünen W. (in nicht bebautem Gelände, außerhalb der Stadt): ein Supermarkt auf der grünen W.

Universal-Lexikon. 2012.

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